Die Berufsfeuerwehr und die FF Hötting bei einem Dachstuhlbrand in der Bürgerstraße
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19. August 2002
Hochwasser-Einsatz in Niederösterreich
von Markus Strobl
 
 
<div style="font-size:7pt;">zuletzt aktualisiert: 28.08. 00:10</div><b>Am 18.8. kamen 70 Feuerwehrleute aus Innsbruck aus Niederösterreich zurück, wo sie halfen, die Schäden nach der Hochwasser-Katastrophe zu beseitigen.<br>NEU: BILDER !!!</b>

Mitglieder, Gerätschaften und Fahrzeuge

Eine Auflistung aller Kameraden, welche bei diesem Einsatz dabei waren, mit den eingesetzten Geräten sowie Fahrzeugen: Mitglieder, Gerätschaften und Fahrzeuge

Bilder und weitere Berichte

Bilder vom Einsatz in Emmersdorf
Bilder vom Einsatz in Strengberg
Bericht der FF Amras mit Fotos
Bericht der FF Neu-Arzl mit Fotos
Detaillierter Bericht der FF Reichenau

Bericht

Fünf Tage lang waren rund 70 Feuerwehrfrauen und –männer aus Innsbruck in Niederösterreich, um der dortigen Bevölkerung nach dem schwersten Hochwasser seit Jahrzehnten bei den Aufräumungsarbeiten zu helfen und ihnen damit auch neuen Mut zu geben.

Zur Vorgeschichte: Bereits am Sonntag, den 11. August, hat BFKDT Ing. Anton Larcher dem LFV unter LFKDT KR Reinhold Greuter die Hilfe des Bezirkes Innsbruck-Stadt bei einem Hilfskonvoi angeboten. War die Hilfe vorerst nicht erforderlich, konnte bereits am Dienstag abgeklärt werden, dass zumindest Gerätschaften im Katastrophen-Gebiet benötigt werden würden. Mittwoch Vormittag (14. August 2002) wurde BFKDT Larcher dann von LFK Greuter beauftragt den Geräte-Transport aus dem den Bezirken Innsbruck-Stadt und -Land zu organisieren, später kamen dann noch Imst und Landeck hinzu. Nach einer ersten Kontaktaufnahme mit dem Landesführungsstab Niederösterreich war aber bald klar, dass Gerätschaften alleine zuwenig wären und sehr wohl Personal ebenso benötigt wird. Nach einer schriftlichen Anforderung durch den Landesfeuerwehrverband Niederösterreich, welche um 14:30 Uhr eintraf, wurde mit der Organisation begonnen. In Innsbruck-Stadt konnte 30 Minuten später eine Besprechung mit allen Kommandanten durchgeführt werden, welche als Ergebnis hatte, dass bis auf Hötting, welches die Einsatzbereitschaft in Innsbruck aufrecht erhalten sollte, alle Feuerwehren nach Niederösterreich fahren würden. Zusätzlich meldet sich noch der Wachekommandant der Berufsfeuerwehr BOK Ing. Günter Schlögl.
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So wurde in allen Freiwilligen Einheiten versucht, Mitglieder zu organisieren, welche bereit waren und für die es auch privat und vor allem beruflich möglich war, nach Niederösterreich zu reisen. In kürzester Zeit kamen so 68 KameradInnen zusammen.

Treffpunkt war um 21:00 Uhr in der Hauptfeuerwache. Nach der Verabschiedung durch Stadträtin Dr. Maria-Luise Pokorny-Reiter setzte sich der Konvoi aus 18 Fahrzeugen unter Leitung von Bezirks-Feuerwehrkommandant Bmst. Ing. Anton Larcher Richtung Niederösterreich um 21:30 Uhr in Bewegung

Nach zwei Pausen bei Kufstein und beim Mondsee kamen wir schließlich um ca. 04:00 Uhr in der Früh in Amstetten an, wo wir mittels Lotsen zur dortigen Feuerwache geleitet wurden. Ansprechpartner vor Ort war dann Abschnittsfeuerwehrkommandant BR Furtlehner vom Bezirksführungsstab Amstetten. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurden wir zur Sporthalle Amstetten, unserer Unterkunft für die nächsten Tage bis Sonntag, gebracht. Dort standen in der großen Halle bereits über 100 Feldbetten bereit.

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Nach dem Versorgen der privaten Gegenstände war gegen 07:00 Uhr Aufbruch zum ersten Einsatzort, nämlich Strengberg. Im dortigen Ortstteil Au waren zahlreiche landwirtschaftliche Anwesen durch das Hochwasser beschädigt worden. Da angekommen wurde die Einsatzleitung, bestehend aus Laptop und 2 Funkgeräten mit dazugehörigen Funkmasten, aufgebaut. Den einzelnen Feuerwehren wurden Einsatzadressen zugeteilt und diese dann mittels Lotse zu ihren Einsatzorten gebracht. Und gab es bei der Durchfahrt durch Amstetten schon Kommentare über das fehlende Wasser (Amstetten wurde verschont und diente uns nur als Basis) verstummten diese Stimmen recht schnell bei der Fahrt durch dieses Gebiet (Strengberg-Au): die Felder waren noch überflutet, vor jedem Haus stapelten sich bereits Möbel, zahlreiche Menschen mit versteinerten Mienen versuchten mit Schaufeln, den Schlamm aus ihrem Wohnbereich zu entfernen. Strom- und Wasserversorgung waren zuammengebrochen und überall nur Schlamm und Wasser.

Die Aufgabe für die Feuerwehren bestand an diesem Tag darin, die Höfe von diesen Schlamm-Massen zu befreien. Verwendet wurden dazu unsere Schmutzwasser- und Tauch-Pumpen. Nicht aber etwa, um das Wasser aus den Kellern zu bringen – das war aufgrund des noch immer zu hohen Grundwasser-Spiegels unmöglich – sondern um mit diesen Pumpen Wasser zu fördern, mit welchem der Schlamm entweder weggeschwänzt oder ansonsten stark verdünnt weg gepumpt werden konnte. Zwischendurch gab es noch eine kurze Schrecksekunde: einem Kameraden aus Amras fiel ein Teil einer Gips-Decke auf den Helm. Besonders durch diesen Helm passierte dem Kameraden aber nichts Schlimmeres, er wurde zwar im Krankenhaus durch gecheckt, aber gleich wieder entlassen.

Nachdem wir die ganze Nacht durchgefahren sind und auch an diesem Tag ohne Pause gearbeitet haben, war um ca. 18:00 offizielles Ende. Von oben bis unten voll Schlamm kehrten wir nach Amstetten zurück, wohlwissend, einigen Leuten viel Arbeit und Probleme abgenommen zu haben.

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Die nächsten beiden Tage passierte das gleiche in Emmersdorf, Nachbargemeinde von Melk, am anderen Donau-Ufer. Der einzige Unterschied: hier waren es vor allem Werkstätten und Wohngebäude, die betroffen waren, sowie die Straße, welche zu säubern war. Ansonsten, gleicher Schlamm und wir gleich dreckig.

Am Samstag Abend wurden wir in Amstetten zu einem Abschieds- und sicherlich auch Dankes-Essen eingeladen. Neben den Bezirks-, Abschnitts- und Feuerwehrkommandanten sowie den Bürgermeistern der betroffenen Bezirke und Gemeinden, wo wir tätig waren, war auch die Vizebürgermeisterin sowie die Bezirkshauptfrau und eine Abgeordnete zum Niederösterreichischen Landtag anwesend - ein Zeichen dafür, welch große Wertschätzung unsere Arbeit gefunden hat.

Was wir aber noch mehr mitnehmen konnten, waren die Taten, die Worte oder auch nur die Gesten und Blicke einer Bevölkerung, welche einfach gesagt „nicht mehr konnte und wollte“. Bauern beschrieben uns, dass sie zum x-ten Male vom Hochwasser betroffen worden waren und nun sicherlich weg ziehen, Leute erzählen, dass sie alles verloren haben, ältere Menschen, die nicht mehr arbeiten und mithelfen können, weinen nur mehr. Bei all den menschlichen Schicksalen, die man auch spüren konnte, war jedes zufriedene und glückliche Lächeln, jedes Getränk und jede Jause, welche man laufend angeboten bekam (die Menschen konnten sich nur so revanchieren und waren fast beleidigt, wenn man nicht zur Jause kam, sondern weiterarbeiten wollte) für unsere Kameraden selbst viel Wert und Bestätigung, dass es richtig war, dorthin zu kommen und wenn auch nur ein kleines Stück, so doch etwas an Wiederaufbau-Arbeit geleistet zu haben.

Nicht zu kurz kam dabei aber sicherlich auch am Abend dann die kameradschaftliche Seite. So saßen neun Freiwillige Feuerwehren kamerdschaftlich zusammen, hatten dabei Spaß und konnten so zusammen vieles von dem vergessen, was Stunden zuvor noch Belastung war. Und somit auch Energie sammeln für den nächsten Tag.

Sonntag um 09:00 Uhr war schließlich Aufbruch in Amstetten, es ging zurück in die Heimat. Um 15:30 Uhr kamen wir dort schließlich auch an, gezeichnet von der Arbeit, den Erfahrungen, den menschlichen Schicksalen, wenig Schlaf aber auch mit der Gewissheit, viel bewirkt zu haben.

Teilgenommen haben Kameraden aus allen Innsbrucker Freiwilligen Feuerwehren, sowie ca. 38 Mann und 8 Fahrzeuge aus dem Bezirk Innsbruck-Land
Hunoldstraße 17, 6020 Innsbruck • [Für E-Mail-Kontakte hier klicken]