Hubschraube des BH beim Waldbrandeinsatz
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25. April 2001
Peter Pescoller - ein Leben für die Feuerwehr
von OBM Hans-Peter Winterle, FF Mühlau
 
 
Oberbrandrat Peter Pescoller ist in den wohlverdienten Ruhestand übergetreten. Als Dank für seine besonderen Leistungen hier ein kleines Porträt.

Ein Leben fr die Feuerwehr beschreibt wahrscheinlich bei wenigen so treffend die Beziehung zu den Florianijngern wie bei Peter Pescoller, dem scheidenden Ausbildungsoffizier und vielgeschtzten Fachmann auf vielen Sachgebieten.


Schon von Geburt an war Peter mit der Feuerwehr eng verbunden. Sein Grovater Franz Xaver Held, hat seine Schaffenskraft kurz nach der Jahrhundertwende in die Dienste der Berufsfeuerwehr Innsbruck gestellt, die zu dieser Zeit etwa ihr 30-jhriges Bestehen feiern konnte. Das heit Franz Xaver Held war zu jener Zeit aktiv, als die Wurzeln und der Stamm der Einheit geprgt wurde. Dass er dabei eine gewichtige Rolle gespielt haben musste, ist daraus ersichtlich, dass er 1921 vom damaligen Kommandanten Julius Miller die Fhrung bernahm und diese bis zur Eingliederung in die deutsche Wehrmacht bekleidete. Im Jahre 1944 verstarb er leider im allzu frhen Alter von 61 Jahren. Der zweite Eckpfeiler der ra "Pescoller" wurde aber schon viel frher gesetzt.



1928 wurde der Vater von Peter, Franz Xaver Pescoller in die Berufsfeuerwehr als Probefeuerwehrmann aufgenommen. Dieser hatte laut Aussage von Peter gerade in der Ausbildung eine sehr harte Zeit zu berstehen. Um den Eindruck einer familiren Begnstigung zu entkrften, musste er smtliche unangenehme Dienste und Arbeiten, unter den gestrengen Augen seines Vaters, bernehmen. Whrend des Krieges war er bei der Feuerschutzpolizei Innsbruck welche der deutschen Wehrmacht unterstellt war, um nach der Befreiung wieder als Gemeindebediensteter im Feuerwehrwesen ttig zu sein. Nach den Kriegswirren und Wiederaufbau wurde Franz Xaver Pescoller in die Fhrungsetage gerufen und bekleidete, bis zu seiner Pensionierung 1963, die Stelle als Wachekommandant der Wacheabteilung A im Rang eines Brandoberkommisrs.


Im Mrz 1963 wurde dann die wahrscheinlich letzte Wachablsung im Hause Pescoller eingeleitet. Vater Franz Xaver ging in Pension, Sohn Peter trat seinen Dienst bei der Berufsfeuerwehr an.


Nach der Lehre als Autospengler und der Absolvierung des Bundesheeres, konnte Peter endlich bei der Berufsfeuerwehr eintreten. Zuvor wollte er schon beim Bundesheer seine Grundausbildung als "Feuerwehrlehrling" absolvieren, doch trotz eines Schreibens des damaligen Branddirektors Ing. Anton Stolz an den Brigadegeneral der Luftschutzpioniertruppe wurde sein Ansuchen abgelehnt. So blieb ihm nichts anders brig, als diese Zeit bei den Hochgebirgsjgern in Absam abzudienen. Was ihm im Grunde jedoch gar nicht so unrecht war, war er doch ein begeisterter Bergsteiger. Doch auch dieses Hobby bte er nicht ohne allgemeinen Nutzen aus. Mit 17 Jahren war er schon Mitglied bei der Bergrettung.


Aber nun zurck zu seiner beruflichen Laufbahn, die mit einem "sehr gut" im Prfungszeugnis des Grundlehrganges begann. Anschlieend folgten mehrere Jahre des Lernens. Neben der allgemeinen Feuerwehrtechnischen Ausbildung absolvierte Peter zahlreiche Spezialseminare (z.B. Sprengausbildung ) und eine ausfhrliche Schwimm- und Tauchausbildung die er mit dem Lehrschein in beiden Sparten, sowie einer weiteren Prfung zum Erste-Hilfe Lehrbefugten abschloss. Daneben begann schon seine Ausbildung in Richtung Strahlenschutz, seinem wohl grtem Steckenpferd. Um die angestrebte Offiziersbahn einzuschlagen musste er aber noch ein paar Gehirnzellen in Fahrt bringen, was ihm aber keine groen Schwierigkeiten machte. Und so wurde 1968, nach eineinhalbjhrigem Studium, in Wien die B-Matura in den Fchern Chemie, Physik und Deutsch abgeschlossen. Die Karriereleiter in der Berufsfeuerwehr ging mit dem Unterfhrerlehrgang, dem heutigen Chargenkurs weiter. Dieser wurde mit einem ausgezeichneten Ergebnis abgeschlossen. Es folgte 1970 die Ausbildung in Sachen Selbstschutz und Unfallverhtung, wobei er unter anderem auch auf der Bundesschule Waldbrl/Bonn einen Lehrgang fr Selbstschutz Fachlehrer belegte. Schon damals verschrieb er sich dem Motto "alles was man nicht selber getan hat, kann man nicht glaubhaft weiterbringen". Unter diesem Leitspruch bestieg er auch zusammen mit seinem Kameraden Siegfried Nussbaumer als erster das 21-stckige VEST-Hochhaus mit der Hackenleiter.


Im Schreiben vom 22.7.1970 wurde die Abkommandierung mit 20.August 1970 zur Offiziersausbildung an die Berufsfeuerwehr Wien festgelegt. Doch es sollte anders kommen. Ein schwerer Dienstunfall warf Peter fast aus der geplanten Bahn. Bei einer bung, vom Schlauchturm der Hauptfeuerwache riss das im Einsatz befindliche Rutschtuch in einer Hhe von ca. sieben Meter und Peter strzte mit voller Wucht auf den Asphalt auf. Trotz des schweren Sturzes konnte er noch einen klaren Kopf behalten und aufgrund seiner Schmerzen war ihm sofort bewusst, hier hat er es mit schlimmeren Verletzungen zu tun. Seine sofort herbeigeeilten und natrlich geschockten Kameraden mahnte er noch zur besonderen Vorsicht, da er mit massiven Wirbelsulenverletzungen rechnete. Peter sollte mit dieser Diagnose leider recht behalten. Ein mehrmonatiger Krankenhausaufenthalt, mehrere Operationen sowie ein fast einjhriger Krankenstand waren die schlimmen Folgen. Doch seine krperliche Konstitution und sein Wille waren die besten Voraussetzungen dafr, wieder in den Dienst zurckzukehren und seinen eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Das einzige Handicap war die rztliche Erkenntnis "fr den Branddienst nicht mehr tauglich". Mit fast einem Jahr Versptung ging es 1971, zusammen mit Siegfried Nalter und Karl Zimmermann, zur Offiziersausbildung nach Wien. Auch diese Hrde wurde mit einem "sehr gut" abgeschlossen. Nebenbei erwarb er noch das Strahlenschutzleistungsabzeichen in Bronze. Zurck in Innsbruck wurde in den darauffolgenden Jahren das Wissen in Sachen Strahlenschutz vertieft. Mit 1.Jnner 1973 wurde Peter Pescoller zum Ausbildungsoffizier, im Rang eines Brandadjunkt, der Feuerwehr der Stadt Innsbruck ernannt. Peter bernahm damit von Ing. Thomas Angermair, der in dieser Zeit mit der Fhrung der Berufsfeuerwehrwehr Innsbruck betraut wurde, den Geschftsbereich "Ausbildung. Darber hinaus wurde ihm das Sachgebiet "Sicherheit" bertragen. Auf dieses Gebiet legte Peter groen Wert, es war ihm immer wichtig , dass seine Kameraden neben der fachlichen Ausbildung auch die Gefahren kennen lernen und vor allem nicht unterschtzen. Wobei er bei den theoretischen Inhalten immer wieder Fachreferenten von auerhalb, wie z.B.der Polizei, BB, Elektrizitts-und Gaswirtschaft, einlud, um das Gefahrenpotential von Seiten der zustndigen Verantwortlichen aufzuzeigen. Doch der Teufel schlft nicht. Gerade in diesem Bereich musste er einen seiner schwersten Schlge hinnehmen. Bei der berprfung des Lschwassertender der BB auf dem Innsbrucker Bahnhof geriet ein Feuerwehrmann in den Hochspannungsbereich der Oberleitung und musste mit lebensgefhrlichen Verletzungen in die Innsbrucker Klinik eingeliefert werden. Gerade dieser Unfall zeigt, dass trotz guter Ausbildung, Unflle im Feuerwehrbereich nicht auszuschlieen sind.


Auch bei den praktischen bungen versuchte er immer wieder kalkulierte Risken einzubauen, um die Mnner zu sensibilisieren. Dabei konnte die Kalkulation schon einmal das Ma der Dinge bersteigen. Wie LFI Ing. Willi Gruber der zu dieser Zeit Kdt.Stv. der Innsbrucker Berufsfeuerwehr war, zu erzhlen wei. Bei einem Abbruchhaus wurde eine heie bung fr den Chargenkurs abgehalten. Dabei hatte Peter etwas zu viel Treibstoff verwendet. Der Flash over war so heftig, dass die anrckenden Mannschaft vor lauter Schrecken in die Knie ging. Was Gruber sinngem zur Weisung veranlasste, "in Zukunft doch etwas weniger Realitt aus dem Kanister zu lassen". Sonst konnte Ing.Gruber, der 16 Jahre die Agenden bei der Berufsfeuerwehr vertrat, nur lobende Worte finden "Peter ist ein sehr gewissenhafter Mensch der immer versucht hat das Beste zu geben und in die Ausbildung einen sehr hohen Standard brachte. Gegenber der Mannschaft hat er es immer verstanden motivierend zu wirken und zu helfen wenn es Schwierigkeiten gab". Mit einem weinenden Auge sieht der Landesfeuerwehrinspektor jedoch den Abgang von Peter und das damit entstanden Vakuum in der Ausbildung. Von Seiten der Innsbrucker Stadtfhrung wurde ihm und Bez.Kdt. Ing. Anton Larcher jedoch die Zusage gemacht, dass die Stelle eines Ausbildungsoffiziers schnellstens nachbesetzt wird.


Aber nicht nur das physische Gefahrenpotential lag Peter nahe, auch die Psyche der Einsatzmannschaft ist ihm sehr am Herzen gelegen. Speziell nach dem Freitod des Kameraden Gnter Stauder pochte er mit allem Nachdruck auf die Einrichtung einer psychologischen Betreuung.


Im Jahre 1975 erfolgte die Ernennung zum Strahlenschutzbeauftragten durch die Magistratsdirektion. Sein Wissenstand wurde dann bei der Katastrophe von Tschernobyl am 30.Mai 1986 gefordert. Als Vertreter der Stadt Innsbruck befand er sich in den Arbeitskreisen "Strahlenschutz" und "Nuklearkatastrophen" der Tiroler Landesregierung. Seine Aufgabe war es, die Stadtverwaltung von den Folgen der Ereignisse und die daraus erforderlichen Gegenmanahmen zu informieren und Sofortmanahmen fr den stdtischen Beriech einzuleiten.


In den Jahren 1997/98 schrieb er eine Arbeit ber " Ionisationsrauchmelder", die von der wissenschaftlichen Seite durch Dr. Peter Brunner von der Radiochemie der Universitt Innsbruck untersttzt wurde. Groe Hilfestellung im Bereich der dadurch notwendigen Brandversuche erhielt Peter von der bersterreichischen Brandverhtungsstelle unter Dir.Dipl.Ing.Dr. Klaus Moser. Auf Grund dieser Arbeit erhielt er 1998 das Strahlenschutzabzeichen in Gold.


Durch das in den vielen Jahren erworbene Fachwissen auf dem Gebiet des Strahlenschutzes, hielt er zahlreiche Vortrge im In- und Ausland und war natrlich auch ein gefragtes Mitglied in mehreren Arbeitskreisen wie:


Tiroler Landesregierung:


  • Strahlenschutz

  • Nuklearkatastrophen

sterr. Bundesfeuerwehrverband


  • Ausbildung Berufsfeuerwehr

  • Strahlenschutz

  • Gefhrliche Stoffe

  • Unterausschuss - Ausbildung

  • Unterausschuss - Acetylen


Auerdem fungierte er als ordentliches Mitglied beim sterreichischen Verband fr Strahlenschutz.


Als besondere Wertschtzung seiner Ttigkeit, mchte ich die Schreiben von LFR Univ.-Lektor Dr. Otto Widetschek (SG 4.5 Strahlenschutz)und OBR Dipl. Ing. Karl Schmid (SG 4.6 Gefhrliche Stoffe) anfhren, die um eine weitere Mitarbeit in ihren Fachausschssen von Peter beim Landesfeuerwehrverband Tirol vorgesprochen haben, was aus gesetzlichen Grnden jedoch abgelehnt werden musste. Er wurde jedoch gebeten, sein Wissen auch weiterhin der Landesfeuerwehrschule zur Verfgung zu stellen.


Neben dieser fachlichen "Auszeichnung" konnte Peter natrlich noch eine Menge Auszeichnungen und Belobigungen der diversen Hilfsorganisationen entgegennehmen. Um nur einige anzufhren:



  • 1966 Erinnerungsmedaille des Landes Tirol fr Katastrophenhilfe

  • 1977 Medaille des Landes Salzburg fr Katastrophenhilfe Golling 1976

  • 1978 BFV Verdienstzeichen 3. Stufe

  • 1984 Strahlenschutz-Verdienstzeichen in Silber Forschungsz.Seibersdorf

  • 1988 Medaille des Landes Tirol fr Feuerwehr-u. Rettungswesen

  • 1999 Goldenes Verdienstmedaille des sterr. Roten Kreuzes


Als besonderer Dank und Anerkennung seiner Ttigkeit fr die Stadt Innsbruck wurde er im Oktober 2000 vom Innsbrucker Brgermeister Dr. Herwig van Staa zum "Oberbrandrat" befrdert.


Bei der von der Wacheabteilung A und dem Obmann der Personalvertreter der Berufsfeuerwehr Inns-bruck, Albert Gaugg, organisierten Feier konnte Peter zahlreiche Ehrengste begren. Dass der Pensionist Peter Pescoller jedoch auch ein Mensch und nicht nur ein wissbegieriger Fachmann ist, konnte die zustndige Stadtrtin Fr. Dr. Maria-Luise Pokorny-Reitter sehr treffend mit sechs Symbolen darstellen:



  • Pulsierendes Herz: Sein Leben und Wirken fr die Feuerwehr

  • Eisentrger: akribisch genau, Materialsammler,

  • selbstgezogene Kerzen: untersttzender Lehrer, will mitgestalten und mitprgen

  • dornige Rosen: seine Geradlinigkeit, vertritt seine Linie wenn er davon berzeugt ist

  • Gefahrenguttransporter: seine Liebe zur Chemie

  • Computer-Maus: genaue Formulierung und Ausarbeitung von Unterlagen und Vortrgen.


Somit blieb Peter nur mehr die Gelegenheit, sich fr die langjhrige Zusammenarbeit und den lobenden Worten zu bedanken und der Hoffnung Nachdruck zu verleihen, das die Ausbildung auch in Zukunft ein wichtiger Faktor in der Feuerwehrarbeit sein wird.


Damit kann er mit ruhigem Gewissen in den verdienten Ruhestand eintreten und mehr Zeit fr die Familie und seinem Hobby, dem Schachspielen, aufwenden.



Ich mchte dem Peter stellvertretend, im Namen seiner vielen Freunde, auf diesem Wege alles Gute fr seinen weiteren Lebensweg wnschen. Mit der Hoffnung, ihn auch weiterhin in Feuerwehrkreisen sehen zu knnen.


OBM Hans-Peter Winterle
FF Mhlau

Hunoldstrae 17, 6020 Innsbruck • [Fr E-Mail-Kontakte hier klicken]