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02. Juni 2009
orf.at: Sichere Autos als Gefahr für Lenker
von orf.at
 
Vorschlag für die Rettungskarte(C) ÖAMTC
 
ÖAMTC und der Österreichische Bundesfeuerwehrverband präsentierten gemeinsam eine Aktion für ein Fahrzeugdaten-Infoblatt "Rettungskarte", welches den Feuerwehren im Falle eines Unfalles helfen soll.
Berichte:
- ORF
- AMTC
- BFV



Text von der Homepage des BFV:

AMTC: Crashsicherheit moderner Autos erschwert Befreiung von Unfallopfern
Der sterreichische Bundesfeuerwehrverband (AMTC) und der AMTC fordern Einfhrung von Rettungskarten in Neuwagen

Seit den 90er Jahren hat sich die Fahrzeugsicherheit rasant weiterentwickelt.
Fr Unfallopfer ist damit die berlebenschance nach einem schweren Crash
mageblich gestiegen. "Leider hat jede Medaille auch eine Schattenseite", sagt AMTC-Cheftechniker Max Lang anlsslich einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem sterreichischen Bundesfeuerwehrverband. "Crashsichere Autos sind fr die Retter der Feuerwehr schwerer zu knacken." Vor allem beim Schneiden der Fahrzeuge stehen die Einsatzkrfte vor neuen Herausforderungen. "Die Rettung von Verletzten unter Einsatz von hydraulischem Rettungs- und Bergegert wird schwieriger und zeitaufwndiger, weil der Widerstand der Karosserie gegen die Gerte grer geworden ist", erlutert der Prsident des sterreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, Josef Buchta. "Es knnen sogar von modernen
Sicherheitssystemen Gefahren fr Opfer und Retter ausgehen."
Wo frher ein fast beliebiger Schnitt mit der Bergeschere das Opfer befreit hat, ist heute exaktes Wissen ber den jeweiligen Karosserie- und Elektronikaufbau des Fahrzeugmodells ntig. "Es gibt fr jedes Fahrzeugmodell sogenannte 'Rettungsleitfden'", erlutert der AMTC-Cheftechniker. Fr die Feuerwehren ist es allerdings unmglich, stndig aktuelle Plne aller Automarken im Einsatz parat zu haben, um schnell den optimalen Ansatzpunkt fr die Rettungsgerte zu finden. Die Hauptforderung von AMTC und Feuerwehr: Alle Automobilhersteller mssen diese Rettungsinformationen fr jedes Pkw-Modell einheitlich auf einem
DIN-A4-Blatt zusammenfassen und ab sofort in allen Neufahrzeugen im Bereich der Fahrer-Sonnenblende einlegen. Wie gro der Handlungsbedarf ist, zeigen die Einsatzstatistiken der Feuerwehr: "Die Einstze nach Verkehrsunfllen steigen kontinuierlich - nmlich von 2005 auf 2008 um 37 Prozent. Alleine von 2007 auf 2008 sind die Verkehrseinstze um 17 Prozent gestiegen", so Buchta.
In modernen Fahrzeugen werden hochwertige Materialien, Sthle mit sehr hohen Zugfestigkeiten, verbesserte Konstruktionen der Fahrgastzelle und eine Vielzahl an Sicherheitssystemen zum optimalen Schutz der Insassen eingesetzt. Gleichzeitig werden neue Antriebsmodelle wie Gas- oder Hybridmotoren entwickelt. Damit gibt es eine steigende Anzahl an Komponenten, die beim Rettungseinsatz beachtet werden mssen, zum Beispiel Batterielage, Gasgeneratoren in Fahrzeugdach/Fahrzeugsulen etc.. Die Schwierigkeit: Je nach Fahrzeughersteller befinden sich alle diese Komponenten an den verschiedensten Positionen im Fahrzeug. Die Lokalisation ist eine schier unlsbare Aufgabe fr die Retter, die
unter massivem Zeitdruck stehen. Sind bei einem Verkehrsunfall innere Organe verletzt, steigt das Sterblichkeitsrisiko ohne Behandlung im Dreiminutentakt um ein Prozent.
Zwtl.: Besondere Problembereiche bei der Opferbefreiung
Wie lange die Befreiung eines Patienten dauert, hngt vom Ansatzpunkt des
hydraulischen Rettungsgerts und einer schnellen Furaumerweiterung ab. "Die Geometrie und die Werkstoffe der Fahrzeug-Dachholme geben vor, ob und wie mit der Hydraulikschere geschnitten werden kann", erklrt der AMTC-Cheftechniker. Besonders die massiv versteifte B- und die oft sehr stark ausgeformte C-Sule bereiten den Rettungskrften Probleme. Das kann soweit gehen, dass die von den Feuerwehren eingesetzten hydraulischen Rettungsscheren an ihre Leistungsgrenzen kommen. hnlich verhlt es sich bei der Spreizung des Fahrzeugs. Die hufigsten Probleme treten bei der Furaumerweiterung auf. "Es gibt einen bestimmten
Druckpunkt, an dem der Rettungszylinder angesetzt werden muss", erklrt Lang.
Sogar die Sicherheitskomponenten wie der Airbag knnen fr Unfallopfer und
Retter zur potenziellen Gefahr werden. "Wird ein Schnitt falsch angesetzt und
beispielweise der Gasgenerator eines Kopfairbags beschdigt, kann das fatale Folgen haben, wenn der Airbag pltzlich auslst", so der AMTC-Cheftechniker.
Auch die eingesetzten Batterien fhren manchmal zu Rettungsproblemen. Sie mssen rasch lokalisiert und abgeklemmt werden, damit der Stromfluss unterbrochen ist.
Zwtl.: Das kann eine "Rettungskarte"
Um die angefhrten Probleme zu vermeiden, mssen die Retter schnellstmglich ber Karosserie und verbaute Elemente Bescheid wissen. "Die erste Herausforderung bei schweren Unfllen ist, das Fahrzeugmodell zu
identifizieren", so der AMTC-Experte. "Die grte Wahrscheinlichkeit, an
Informationen zu kommen, hat man ber die Windschutzscheibe. Deshalb sollte die Rettungskarte auch in diesem Bereich aufbewahrt werden." Auf der Karte befindet sich nicht nur die Fahrzeugmarke, sondern auch Angaben zu Lage und Anzahl der Batterien, Lage von Airbags und Sensorik, Lage von Gasgeneratoren und Gurtstraffern sowie eine Angabe zu den Verstrebungen und Versteifungen in der Karosserie. "Diese Rettungskarten gibt es bereits, sie sind aber nur als Handbcher verfgbar, und damit fr den Ernstfall unbrauchbar", kritisiert der AMTC-Cheftechniker. "Diese Infos gehren ins Auto. Das muss Standard werden."

AMTC und Feuerwehr fordern Einfhrung von Rettungskarten in Neuwagen

Fahrzeugsicherheit und Rettungsmanahmen mssen sich gemeinsam weiterentwickeln Sichere Autos - sichere Autofahrer. Eine Gleichung, die nur auf den ersten Blick aufgeht. "Die Fahrzeugsicherheit entwickelt sich rasant. Auf die damit neuen Herausforderungen fr die Rettungskrfte wird von den Herstellern zuwenig geachtet", konstatiert AMTC-Cheftechniker Max Lang anlsslich einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem sterreichischen Bundesfeuerwehrverband (BFV). Dazu dessen Prsident, Josef Buchta: "Die technische Entwicklung im Feuerwehrbereich hinkt dem Fortschritt der Automobilindustrie hinterher. ltere Generationen von Rettungsgerten sind oft nicht in der Lage, den hochfesten Stahl in A- und B-Sule zu durchtrennen. Vor allem, weil die optimale Schnittfhrung von Modell zu Modell unterschiedlich ist." Viele notwendige Informationen sind bereits beim
Hersteller vorhanden, nicht aber am Einsatzort fr die Feuerwehren verfgbar.
Die ausgegebenen Rettungsleitfden sind umfangreich und nicht standardisiert.
Nun fordern AMTC und Feuerwehr die Automobilhersteller auf, die vorhandenen "Rettungsinformationen" fr jedes Pkw-Modell einheitlich auf einem DIN-A4-Blatt zusammenfassen und ab sofort in allen Neufahrzeugen im Bereich der Fahrer-Sonnenblende einzulegen. "Das wre ein wichtiger erster Schritt", sind sich Lang und Buchta einig.
Die Forderungen von AMTC und Feuerwehr:



AMTC und Feuerwehr fordern alle Automobilhersteller auf, die Rettungsinformationen als "Rettungskarte" fr jedes Pkw-Modell einheitlich auf einem DIN-A4-Blatt zusammenzufassen. Die standardisierte Darstellung muss fr alle Hersteller einheitlich gestaltet werden.

Es sind Schnittpositionen anzugeben, um Schnitte an hochfesten Sthlen und im Bereich von Airbag-Gasgeneratoren sicher auszuschlieen. Auerdem mssen Druckpunkte eingezeichnet sein, an denen der Furaum durch Rettungszylinder erweitert werden kann.

AMTC und Feuerwehr fordern, dass in allen Neufahrzeugen die
DIN-A4-Rettungskarte im Bereich der Fahrer-Sonnenblende eingelegt wird.

AMTC und Feuerwehr erwarten von den Fahrzeugherstellern eine kostenfreie Bereitstellung der DIN A4 Rettungskarten je Fahrzeugtyp fr alle am Markt befindlichen Fahrzeuge als Download im Internet.

"Die Rettungskarte kann aufgrund der enormen Entwicklung in der Fahrzeugtechnik nur eine Zwischenlsung sein", so der AMTC-Cheftechniker. "Sie muss ber kurz oder lang elektronisch umgesetzt werden." Durch eine digitale Lsung knnten die Rettungskrfte alle Informationen fr jedes Fahrzeug bekommen und wren dadurch schnell fr die unterschiedlichsten Unfallszenarien gewappnet. Der AMTC setzt sich auch auf europischer Ebene gemeinsam mit seinen Schwesterclubs fr die Durchsetzung dieser Forderungen ein.
AMTC-Unfallforschung: 90 Prozent der registrierten Crashs sind schwerwiegend – Rettungskarte knnte Einsatzkrfte untersttzen

Befreiung von Eingeklemmten als groe Herausforderung fr die Rettungskrfte Einstze nach Verkehrsunfllen stehen bei den AMTC-Notarzthubschraubern auf der Tagesordnung. Im Durchschnitt wird jeder zehnte Einsatz nach einem Unfall auf der Strae geflogen. Die Erkenntnisse der Club-Experten flieen seit Jnner 2008 in ein europaweites Unfallforschungsprojekt ein, das der AMTC gemeinsam mit seinem Schwesterclub ADAC vorantreibt. Durch die Zusammenarbeit erfahrener
Notfallmediziner und Techniker knnen Unfallmechanismen und Verletzungsmuster dargestellt und analysiert werden. Daraus leitet der AMTC Verbesserungspotenzial bei Fahrzeugen, Straen und dem Verhalten der Verkehrsteilnehmer ab. Jngste Erkenntnis aus den Unfalldaten: "90 Prozent der registrierten Crashs sind gravierende Unflle mit Schwerverletzten", so AMTC-Cheftechniker Max Lang.
Bei diesen Unfllen mit hoher Crashenergie treten meist starke Deformationen an den Fahrzeugen auf. Die Insassen sind hufig eingeklemmt. Hauptschlich erfolgen die Einklemmungen durch Deformationen im Bereich des Armaturentrgers, wie sie bei Frontalkollisionen entstehen. Hauptgegner sind ebenfalls Pkw - das
bedeutet nicht selten ebenfalls eingeklemmte Unfallgegner. Aus einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover mit GIDAS (German-In-Depth-Accident-Studie) Daten aus dem Jahr 2006 geht hervor, dass die Quote von Einklemmungen bei ca. sechs Prozent aller Unflle mit Personenschaden liegt.
Diese Kombination: Schwere Verletzungen und eingeklemmt im Fahrzeug - stellt die Rettungskrfte vor neue Herausforderungen. Die Auswertung der Fragebgen zeigt vier Hauptprobleme: Die Fahrzeugidentifikation, den Patientenzugang, die Batterielokalisation bzw. -abklemmung sowie die Patientenbefreiung. "Lediglich ein Drittel der verunfallten Fahrzeuge kann durch die Rettungskrfte an der Einsatzstelle sicher identifiziert werden kann", so der AMTC-Cheftechniker.
Deshalb fordert der Club nun gemeinsam mit dem sterreichischen
Bundesfeuerwehrverband (BFV), dass die Autohersteller die Rettungsinformationen fr jedes Pkw-Modell einheitlich auf einem DIN A 4 Blatt zusammenfassen und ab sofort in allen Neufahrzeugen im Bereich der Fahrer-Sonnenblende einlegen. So wre eine Identifikation des Fahrzeugs leichter. Auerdem wrden den Rettungskrften Detailinformationen zu Druck- und Schnittpunkten zur Verfgung stehen. Diese Daten sind die Grundlage fr eine schnelle und sichere Bergung von eingeklemmten Unfallopfern.
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