Mitglieder der Innsbrucker Feuerwehrjugend
Aktuelles •  Feuerwehren •  Funktionäre •  Geschichte •  Jugend •  Kontakt
23. November 2001
ÖBFV-Seminar "Gefahrenlehre" an der LFS Tirol
von BOK Johann Zimmermann
 
Vom 26.-28.9.2001 fand in der Landesfeuerwehr-schule Tirol das ÖBFV-Seminar "Gefahrenlehre" unter der Seminarleitung von LFR Univ.-Lektor Dr.Otto Widetschek statt.
Vom 26. – 28.September 2001 fand in der Landesfeuerwehrschule Tirol das ÖBFV-Seminar „Gefahrenlehre“ für höhere Führungskräfte statt. Als Seminarleiter fungierte LFR Univ.-Lektor Dr.Otto Widetschek, 16 Teilnehmer aus den Landesfeuerwehrverbänden Oberösterreich, Kärnten, Steiermark, Salzburg und Vorarlberg, sowie den Berufsfeuer-wehren Linz und Innsbruck nahmen an dieser dreitägigen Fortbildungsveranstaltung teil.
Hinsichtlich der dienstlichen Funktionen wurde bei der Vorstellung der Seminarteilnehmer bekanntgegeben, daß die Anwesenden auf Bezirks- oder Landesebene, Berufs- und Ortsfeuerwehr in den Bereichen Verwaltung, Ausbildung, Nachrichten-, Geräte- und Sicherheitstechnik sowie Einsatzleitung tätig sind, 30 % der Anwesenden gaben als unmittelbare Funktion in ihrer Tätigkeit das Sachgebiet Vorbeugender Brandschutz an.

Einleitungsreferat


Im Einleitungsreferat zeigte Dr.Widetschek anhand von Risikostufen zu den Themen „Änderung der Bauweise“, „Verwendung von Kunststoffen“, „Erhöhte Verkehrsdichte“, „Brennbare Flüssigleiten und Chemikalien“, „Radioaktive Stoffe“ und „Biologische Agenzien“ eindrucksvoll die Eskalation des Risikos für die Einsatzkräfte auf. Insbesondere wurde anhand von Fallbeispielen auf die Problematik von unzureichenden vorbeugenden Brandschutzmaßnahmen im baulichen, betriebstechnischen und betrieblichen Bereich bei Groß- und Sonderbauten hingewiesen. Kritik wurde dabei vom Vortragenden an brandschutztechnische Sachverständige, als auch an Planer und Architekten geübt. Dr.Widetschek verwies dabei auf ein Novum, daß nämlich seitens des Landesfeuerwehr-verbandes Steiermark landesweit die Installierung von ca. 100 brandschutztechnischen Sachverständigen aus den Feuerwehren geplant sei.
Die Notwendigkeit für diese geplante Maßnahme sei eindeutig definiert, da ohne entsprechende Vorbeugende Brandschutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der Vorgaben der örtlichen Feuerwehren ein wirkungsvoller Brandbekämpfungs- und Rettungseinsatz nicht möglich ist. Die Vorgaben der Feuerwehren haben sich dabei nicht nur auf den Personenschutz, sondern auch auf den Objektsschutz zu beziehen. Die Problematik der vermehrten Verwendung von Kunststoffen in nahezu sämtlichen Lebensbereichen wurde ausführlich erörtert, die damit verbundenen Gefahren hinsichtlich der Rauch- und Qualmbildung, Toxizität und der möglichen Folgeschäden, sowie die Notwendigkeit von entsprechenden vorbeugenden Brandschutzmaßnahmen bildeten ein weiteres Schwerpunktthema.


Einen Schwerpunkt bildete der Abschnitt „Brand im Gebäude“ mit eindrucksvoller Demonstration von Fallbeispielen. Vorbeugende Brandschutzmaßnahmen wie, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, Brandmelde- und Löschanlagen stellen dabei insbesondere bei Großobjekten die Voraussetzung für die Rettungs- und Brandbekämpfungsmaßnahmen dar. Die Vermeidung von „Flash Over“ und „Backdraft“ im Brandfall zählen durch komplizierte Bemessungs- und Berechnungsverfahren zu den Grundzielen des
Vorbeugenden Brandschutzes.

Feuerpolizei und Vorbeugender Brandschutz


Durch die Liberalisierung der österreichweit unterschiedlichen Landesgesetzgebungen im Brandschutz ist es wichtig, daß die Feuerwehren künftig vermehrt Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Brandschutz leisten. Im Bereich der Landeshauptstadt Graz wurde die Feuerpolizei bereits örtlich der Berufsfeuerwehr zugegliedert, eine gänzliche Zuteilung soll erfolgen. Der Seminarleiter vertrat die Meinung, daß der Vorbeugende Brandschutz mit den feuerpolizeilichen Agenden Aufgabengebiet der Feuerwehr ist und deshalb generell den Feuerwehren zugeteilt werden sollte (Beispiel Linz).
Zahlreiche Wortmeldungen der Seminarteilnehmer zu dieser Thematik gaben Einblick über die Tätigkeitsbereiche bei den verschiedenen Feuerwehrorganisationen, andererseits wurde das Interesse und die Wichtigkeit an diesem Feuerwehrbereich deutlich aufgezeigt. Positiv aufgenommen wurde das „Innsbrucker Modell“ zur Durchführung der Feuerbeschau, welches neben der gesetzlichen Aufgabenerfüllung vor allem eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und Einsatzvorbereitung beinhaltet.

Gefährliche Stoffe


Am zweiten Seminartag wurden von Dr.Widetschek schwerpunktmäßig die „Gefährlichen Stoffe“ anhand der ADR-Klassifizierung, sowie der Bereich „Explosionen“ behandelt.
Auch bei dieser Thematik standen Maßnahmen in der Gefahrenvorbeugung am Vortrags-programm, wichtige Erkenntnisse für die Tätigkeit als brandschutztechn.Sachverständiger der Feuerwehr (z.Bsp. Sprühverrohrungen mit Feuerwehreinspeisstellen für Acetylen-flaschenlager, Brandschutz in atomaren und biogenen Labors, Löschwasserrückhaltung-Umweltschutz) konnten daraus abgeleitet werden.
Mit großem persönlichem Einsatz des Vortragenden wurden mit verschiedensten Stoffen eindrucksvoll Experimente vorgeführt, die mehrmalige Auslösung der hausinternen automatischen Brandmeldeanlage waren neben einer „starken Rauchentwicklung“ Begleit-erscheinungen dieser Versuche.

Katastrophen


In einem gesonderten Vortrag zum Thema „Grenzen des Einsatzes“ wurde von Dr.Widetschek der Brand in der Gletscherbahn Kaprun erläutert, welcher u.a. durch mangelnde vorbeugende Brandschutzmaßnahmen zur Katastrophe mutierte.
In diesem Zusammenhang wurde auch Bezug zum Unglück am Bergisel genommen, Diskussionen ergaben sich zu den Themen Personenkontrolle in Veranstaltungsstätten, Brandschutz in Schulen und Bundesgebäuden, Brandschutzgesetze, Bau- und Gewerbe-rechtsverfahren, Österr. Bundesbahnen, Betriebsbrandschutz, u.v.m.
Den Abschluß des zweiten Kurstages war dem Thema „Strom“ und den daraus ableitenden Gefahren gewidmet. In diesem Zusammenhang wurde die Verwendung von tragbaren Feuerlöschern im Haushaltsbereich diskutiert.

Brandverhalten


Das Eröffnungsreferat am Freitag, 28.9.01 hatte das Thema „Einsturz von Bauwerken“ zum Inhalt, als Referent stand HBI Ing.Josef Winter zur Verfügung.
Die Frage „Wie verhält sich das Gebäude im Brandfall?“ war unmittelbar mit den Vorbeugenden Brandschutzmaßnahmen verbunden, das Brandverhalten und die Wärme- einwirkung auf Baustoffe bildeten dabei die Schwerpunkte. Besonders kritisch wurde dabei die Klassifizierung gemäß ÖNORM B 3800 „B1 – schwer brennbar“ hinterfragt.
Am Beispiel eines Hallenbadbrandes in NÖ und des Schlachthofbrandes in Linz wurde vom Vortragenden deutlich die Chancenlosigkeit der Feuerwehr bei mangelhaft vorhandenen Vorbeugenden Brandschutzmaßnahmen aufgezeigt.
Anhand der „Maak´schen Theorie“ wurden von HBI Ing.Wintner die typischen, in Gruppen aufgeteilten Zerstörungsformen veranschaulicht. In Zusammenhang mit der Katastrophe in Wilhelmsburg sind dabei österreichweit Sicherheitsfragen in Bezug auf die Gas-versorgungsunternehmen festzustellen.



Biologische Agenzien


Den Abschluß des dreitägigen Fortbildungsseminares bildete ein Referat zum Thema „Biologische Agenzien“, welches vom niederösterr. Feuerwehrtechniker Mag.Dr.Mader vorgetragen wurde.
Nach einer ausführlichen Darstellung des Wissenschaftszweiges „Gen-Technik“ konnten anhand eines Einsatzbeispieles (Unfall am Flughafen Wien-Schwechat mit Blutkonserven) die Gefährdungspotentiale und Schwierigkeiten bei einem solchen Feuerwehreinsatz aufgezeigt werden.
Auch bei dieser Problemstellung wurde ausdrücklich auf die Notwendigkeit des Vorbeugenden Brandschutzes hingewiesen. Seitens der Berufsfeuerwehr Innsbruck konnten dabei durch die bereits erfolgte Teilnahme am Behördenverfahren zur Errichtung eines Labors der Stufe L 4 (insgesamt gibt es nur 4 derartige Labors in Österreich) Erfahrungswerte in die Diskussion eingebracht werden.

Zusammenfassend darf festgestellt werden, daß bei diesem Seminar deutlich der enge und untrennbar vorhandene Zusammenhang zwischen vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz dargestellt wurde, bzw. für die qualitative Hilfeleistung (Menschenrettung, Brandbekämpfung und Techn.Hilfeleistung) eine ganzheitliche Betrachtungsweise, bzw. ganzheitliche Konzepte erforderlich sind.






BOK Johann Zimmermann
Geschäftsgruppenleiter VB



Hunoldstraße 17, 6020 Innsbruck • [Für E-Mail-Kontakte hier klicken]